Erdkröten, die jedes Jahr im Frühling zu ihren Laichgewässern wandern, müssen bei ihrer Wanderung in Lengau (OÖ) auch Straßen überqueren. Da die Kröten hauptsächlich nachts und recht langsam wandern, endet die Straßenquerung für sie oft tödlich. Hunderte von überfahrenen Kröten waren daher jedes Jahr speziell auf zwei Lengauer Gemeindestraßen zu entdecken. Eine engagierte Gruppe Freiwilliger wollte diesen Zustand ändern und die sehr nützlichen Tiere auf ihrer Wanderung schützen.
Seit 2016 finden sich jedes Jahr Helfende ein, die zuerst an einem Wochenende im Februar/März die ca. 1 km langen Schutzzäune und die über 30 Fangkübel an den Straßenrändern aufbauen. Danach müssen bis zum Abbau des Zaunes nach ca. sechs Wochen, täglich die Fangkübel kontrolliert werden, die Kröten entnommen und von den Helfenden zum Laichgewässer gebracht werden. Das tägliche Absammeln wird über einen digitalen Kalender auf der Vereins-Webseite koordiniert. Auch Schulklassen und Kindergartengruppen vereinbaren jedes Jahr Termine zum Absammeln. Jedes Kind ist mit Handschuhen, einem eigenen Transporteimer und Warnweste zur Verkehrssicherheit ausgerüstet.
Der Spaziergang entlang der Krötenzäune mit dem Entdecken der Tiere in den Fangkübeln und dem anschließenden Transfer zum Laichgewässer begeistert die jungen Tierschützenden immer sehr. Bis zum Jahr 2025 konnten vom Verein bereits 28.237 Kröten sicher über die Straßen gebracht werden. Das weiß man so genau, weil alle Kröten gezählt und auf unserer Webseite genau dokumentiert werden. Dadurch kann die Zeit und Lokalisation der Wanderung und die Krötenpopulation evaluiert werden.
Der Verein steht auch mit Amphibienexperten in Kontakt und bespricht die erhobenen Zahlen und Maßnahmen. Am Ende der Wanderzeit werden die Schutzeinrichtungen wieder abgebaut, gesäubert und bis zum nächsten Jahr verwahrt. Aus dem Krötenlaich entwickeln sich inzwischen die Jungkröten, die als knapp 2 cm kleine Winzlinge im Juni/Juli wieder zurück in die umliegenden Wälder wandern.
Diese Rückwanderung ist für den Erhalt der Population sehr wichtig und wenn sie stattfindet ist der Verein vorbereitet, kurzfristig die Straße abzusperren. Dieser sogenannte „Froschregen“ ist ein besonderes Ereignis und kann nur selten beobachtet werden. Mit einem gemeinsamen „Krötenpicknick“ findet die jährliche Krötensaison dann ihren Ausklang. Beim gemütlichen Beisammen sein können alle Erlebnisse, Zahlen und Fakten und die Planung des nächsten Jahres besprochen werden.
Interessierte können bei den Schutzmaßnahmen aktiv mithelfen. Zum Beispiel beim Auf- und Abbau der Schutzzäune oder beim täglichen Absammeln der Tiere aus den Fangkübeln und Transfer zum Laichgewässer. Auch für Kindergartengruppen oder Schulklassen ist das Einsammeln der Kröten sehr geeignet. Beim Absammeln muss eine Strecke von ca. 1 km abgegangen werden und aus den 32 Fangkübeln müssen die eventuell vorhandenen Kröten entnommen werden. Das Laichgewässer ist ca. 300 m von den Sammelstellen entfernt.
Zur Koordinierung der Termine tragen sich die Helfenden online in einem Kalender auf der Homepage des Vereins ein. Dadurch kann jeder seine Sammelzeiten gut im Voraus planen und es kommt weder zu Lücken noch zu Doppelbesetzungen beim Absammeln.