Das Projekt „MITZIS FRIENDS“ des gleichnamigen gemeinnützigen Vereins in Wien setzt auf Natur als Lern- und Erfahrungsraum für Kinder im Alter von fünf bis zwölf Jahren. Ziel ist es, motorische, kognitive, emotionale und soziale Kompetenzen gleichermaßen zu fördern und gleichzeitig ein nachhaltiges Verständnis für Umwelt und Natur zu entwickeln. Der Ansatz verbindet Bildung mit praktischer Erfahrung und richtet sich insbesondere an Kinder im urbanen Raum, die im Alltag nur begrenzten Zugang zur Natur haben.
Im Schuljahr 2025/2026 wurde das Projekt erstmals an der Volksschule am Keplerplatz umgesetzt. Insgesamt 75 Kinder nahmen an einem strukturierten Workshopprogramm teil, das sich über das gesamte Schuljahr erstreckte. Die Inhalte orientierten sich an den natürlichen Jahreszeiten und ermöglichten es den Kindern, ökologische Zusammenhänge direkt zu erleben.
Zu den Aktivitäten gehörten unter anderem das Pflanzen von Tulpen im Herbst, ein Ausflug in den Obstpark am Laaer Berg im Frühjahr sowie das Säen und Ernten von Sonnenblumen zum Schulabschluss. Ergänzend wurde ein gemeinsames Projektjahrbuch erstellt, in dem die Kinder ihre Erfahrungen in Texten und Zeichnungen dokumentierten.
Der pädagogische Ansatz basiert bewusst auf wiederkehrenden, zyklischen Formaten. Im Gegensatz zu einmaligen Workshops entsteht so ein kontinuierlicher Lernprozess, der Stabilität vermittelt und es den Kindern ermöglicht, Naturkreisläufe über einen längeren Zeitraum zu verstehen.
Ein zentrales Anliegen von MITZIS FRIENDS ist der barrierearme Zugang zu Bildung. Das Projekt richtet sich gezielt an Kinder mit unterschiedlichen sprachlichen und sozialen Voraussetzungen und schafft ein Umfeld, in dem alle gleichermaßen teilnehmen können. Themen wie Inklusion, Geschlechtergerechtigkeit und interkulturelle Begegnung werden dabei aktiv im Projektalltag berücksichtigt.
Die bisherigen Ergebnisse zeigen positive Effekte sowohl auf individueller als auch auf Gruppenebene. Kinder entwickeln ein stärkeres Umweltbewusstsein, arbeiten kooperativ zusammen und können ihre kreativen Fähigkeiten einbringen. Gleichzeitig entsteht durch die gemeinsame Naturerfahrung ein verbindender Raum, der soziale Kompetenzen stärkt und das Gemeinschaftsgefühl fördert.
Aufbauend auf den ersten Erfahrungen ist eine Weiterführung und Ausweitung des Projekts geplant. Künftig sollen weitere Schulen einbezogen und zusätzliche Klassen erreicht werden. Ziel ist es, den Zugang zur Natur als Bildungsraum breiter zu etablieren und langfristig als ergänzendes Angebot im schulischen Umfeld zu verankern.
Eine zentrale Herausforderung stellt derzeit die Finanzierung dar, insbesondere im Bereich der Personalkosten. Da das Projekt teilweise auf freiwilligem Engagement basiert, ist eine nachhaltige finanzielle Absicherung erforderlich, um Qualität und Ausbau gewährleisten zu können.
MITZIS FRIENDS zeigt, wie naturpädagogische Ansätze in einem strukturierten Rahmen umgesetzt werden können. Das Projekt verbindet Umweltbildung mit sozialem Lernen und leistet damit einen Beitrag zur Förderung von Chancengleichheit, nachhaltigem Denken und ganzheitlicher Entwicklung von Kindern.